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 "Tamara" - Produktionsnotizen

Tag 1 - Der Scherbenkeller

22.07.2006

Um 14 Uhr startete der Aufbau im "Scherbenkeller". Unser Dank gilt hier vor allem dem Theater Asou, das uns zu günstigen Konditionen Lichtequipment und Christian Heuegger, der seine Erfahrung als Beleuchter zur Verfügung stellte.

KellerbarGedreht wurden zwei Szenen: zum einen Desires Versagen vor Publikum, was rasch über die Bühne ging. Danach wurde die Schluss- und damit wohl aufwändigste Sequenz abgedreht. Clemens Maria Frühstück (Sax) und Michaela Gremsl (Gesang) hatten für diesen Zweck in meisterlicher Vorarbeit "Memory" eingespielt. Clemens selbst konnte leider nicht anwesend sein, für ihn sprang Martin Birnstingl in die Bresche.

Um das Lied stilvoll in Szene setzen zu können, war es in drei Blöcke geteilt worden, die mehrmals in unterschiedlichen Kamerapositionen inkl. statischen und bewegten Einstellungen gefilmt wurden. Gesang, Saxophon und Zuschauerreaktion wurden auf Video gebannt - für die knapp eineinhalb Minuten stehen nun an die 30 Minuten Schnittmaterial zur Verfügung.

Besonderer Dank gilt auch an das Team der "Scherbe", das uns über das Problem eines defekten CD-Players hinweghalf.

Gegen 19 Uhr war die Location wieder in ihrem Urzustand und wir konnten im Gastgarten zufrieden auf den ersten, erfolgreichen Drehtag anstoßen.

Am Flughafen

27.07.2006
Um 14 Uhr ist der Dreh am Grazer Flughafen angesetzt.
Die Ryan-Air-Maschine, die wir bei der Landung filmen wollen hat Verspätung, und wir begeben uns in die Ankunftshalle, um ein paar erste Eindrücke aufzunehmen.

FlughafenSchließlich klingelt das Telefon und wir werden von einem Flughafenmitarbeiter aufs Flugfeld begleitet. Natürlich wird eine Menge Material gesammelt, aber da wir ja keine Doku drehen, muss natürlich viel auf der Strecke bleiben. Was wir brauchen ist das landende Flugzeug und Maria, wie sie aus der Menschenmenge der ankommenden auftaucht und den Flughafen erwartungsfroh verlässt - und das haben wir auch.

Außenaufnahmen

Zurück in der Stadt gilt es ein paar Außenaufnahmen zu machen, die an die Vorsprechszene anschließen, die in der Oper gedreht werden wird. Da diese Location jedoch eingerüstet ist, und ich vor meinem geistigen Auge ohnehin die Säulen des Schauspielhauses hatte, führt unser Weg dorthin. Nicht schlecht geschaut haben wir, als wir plötzlich auch dieses Gebäude von Gerüsten umgeben vorgefunden haben.

Kurz überlegt, wo die Dreharbeiten ansonsten stattfinden können, als unser Blick am Rückweg auf die Fassade eines altgedienten, neurenovierten Gebäudes fällt. Das kann, nein, das muss funktionieren. Einen Mistkübel gibt es auch - also machen wir´s!

StadtparkFür den Abend
sind noch erste Aufnahmen im Stadtpark angesetzt. Zwischenzeitlich braut sich ein Gewitter zusammen und es fällt Regen. Letztendlich ist das Wetter jedoch wieder stabil und wir machen uns auf den Weg. Die Gewitterstimmung und der Wind unterstützen dann jedoch die depressive Stimmung, in der sich die Hauptdarstellerin befinden soll.

Ein kleines Hindernis gibt es noch: wir befinden uns ein, zwei Tage vor der LaStrada-Eröffnung - da stehen plötzlich Zelte und Menschenmengen im Stadtpark herum. Von den Locations her nicht so das Problem, jedoch gibt es eine ständige Geräuschkulisse. Naja, nicht weiter schlimm. Dialoge gibt es bei diesen Szenen keine - Parkgeräusche ohne Menschen und Verkehr lassen sich auch später aufnehmen.

Die Wohnungsszenen

31.07.2006
Gesucht wurde eine Wohnung mit halbwegs großem Wohnzimmer, Vorraum, Küche und Schlafzimmer. Und dann gab es da noch die Problematik, dass sich die Wohnung von leer geräumt bis eingerichtet präsentieren soll.

Diesmal meinte es das Schicksal jedoch gut mit uns: ein befreundetes Ehepaar war gerade im Begriff ihre Wohnung zu übersiedeln. Im Prinzip war sie schon geräumt. Ein paar Teppiche, Möbelstücke - inkl. dem dringend benötigten Sofa - und das Schlafzimmer waren noch vorhanden. Also schnell ein paar Pflanzen, Kästchen, Bücher und sonstiges Zeug rüber transportiert und der Wohnungsdreh konnte beginnen.

Maria und SiegiAm ersten Tag standen erste Szenen mit Maria und Siegi am Programm. Weiters wurden zwei Elefanten-Kaffeetassen zerschmettert. In der ersten Einstellung lag zwar eine Decke am Boden, aber anscheinend hat sie den Aufprall doch zu wenig gedämpft. In der zweiten Einstellung in der die Tasse in tausend Stücke zerspringen sollte, knallte sie auf den harten Steinboden und holte sich gerade einmal einen Kratzer.Noch lebt sie ... die Tasse!
Das sind die kleinen Hoppalas. Schließlich zerschellte sie dann doch, und da wir ja für den kommenden Tag noch eine intakte Tasse brauchten, konnte ich zum Glück noch ein Stück davon ergattern. Ein Möbelhaus mit rotem Sofa mag sich vielleicht wundern, wer all die Elefantenkaffeetassen gekauft haben mag.

Wohnung - Die Zweite

01. & 02.08.2006
Am zweiten Tag gesellte sich Magda zu uns. Sie kam frisch erholt aus dem Urlaub - nur die Rückreise hatte ein paar Komplikationen aufgewiesen. Glücklicherweise war dann doch alles gut gegangen.

Magda beim Tagebuch-Wurf Wir drehten Magdas Eröffnungsszene mit dem berühmten Satz: "Ich glaub ich geh´ hier nie wieder fort!" und schließlich wurde dann ein Traum wahr: ich durfte mit zwei Frauen ins Bett! Das ganze blieb allerdings jugendfrei - gedreht wurde die Alptraumsequenz. Und eines muss man Magda lassen: schreien kann sie! Zum Glück kam keiner von den Nachbarn auf die Idee die Polizei zu rufen - was die sich wohl gedacht hätten?!

Außenaufnahmen - Die Zweite

07.08.2006
Ein paar Parkszenen und vor allem die Kreuz-Szene waren noch nachzudrehen. Und als wir gegen 20 Uhr mit Maria vom Schlossbergaufgang retour kamen, wartete bereits Siegi im Gastgarten vom Stern, um die Kaffeehausszene in den Kasten zu bekommen.

Alles in allem ein relaxter Drehabend!

08.08.2006
TheatercafeAm späteren Nachmittag trafen wir uns vor dem Theatercafé. Diese sollte die äußere Kulisse für die Szenen im Scherbenkeller darstellen. Die Lokalität befand sich im Betriebsurlaub - also rasch "guerilla filmmaking"-mäßig ein paar vorbereitete Plakate aufgehängt, und los ging´s.
An diesem Tag war dann auch Norbert vor der Kamera und spielte ziemlich genial den Mann auf Straße.

Das ganze lief recht unkompliziert, einzig und allein der Verkehr, der stärker als erwartet war, machte uns zu schaffen und stellte unsere Geduld teilweise auf die Probe.

Postproduction

Mittlerweile waren also schon viele Szenen abgedreht. Ein kleiner Nachdreh - von dem ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts wusste - sowie die Unfall- und die Vorsprechszene standen aus.

Einige Sequenzen begannen im Rohschnitt schon erste Form anzunehmen. Dabei wurden mir auch zwei Probleme bewusst: zum einen wurde der Film länger als geplant, zum anderen gab es einen zu starken "Gefühlssprung" im Verhalten der Hauptdarstellerin, der vermutlich vom Betrachter nicht nachvollzogen werden konnte.

Die geplanten 12 Minuten für den Film waren nicht zu halten, daran gab es nichts zu rütteln. Länger als 15 durfte er jedoch auf keinen Fall werden. Immer auf Hinblick diverser Kurzfilmfestivals, die zumeist lieber kürzere als zu lange Filme präsentieren.
Bei ein paar Szenen war mir rasch klar, was man kürzen konnte, einige konnten auch komplett entfallen, weil sie nichts wirklich neues bzw. notwendiges erzählten. Bei anderen war mir klar, dass es im Zuge des Schnitts noch zu weiteren Verdichtungen kommen würde.
Problem Eins war sogesehen kein wirkliches.

Nun zur Stimmungsschwankung - die Hauptdarstellerin kommt voll freudiger Erwartung in eine neue Stadt. In 15 Minuten - die sie sich tw. mit einer zweiten Handlungsebene teilen muss - kommt sie bis in die tiefste Depression. Und nun merkte ich, dass die Stimmung in den Bildern nicht so sehr in einer Kurve nach unten ging, wie am Papier geplant.
Also was tun?
Wie in den meisten Problemen, die zwar eine Lösung erfordern, aber nicht unbedingt sofort, übergab ich das Ganze einmal meinem Unterbewusstsein, in dem Wissen, dass sich eine Lösung ergeben würde. Bewusst dachte ich nicht länger darüber nach, sondern widmete mich wieder dem Vorrangingen.


Drei Liter Kunstblut - ein Unfall

25.08.2006
Die Unfallszene stand bevor, und ich war nervös wie schon lange nicht mehr. Uwe hatte mich mit einem erstklassigen Storyboard ausgestattet, und es konnte eigentlich nichts schief gehen. Vor allem, weil nicht der Unfall an sich, sondern nur dessen Auswirkung gezeigt werden würde. Eine Szene mit bewegter Kamera, aber statischen Dingen, wie einem Auto, Schlüssel, einem Schuh, einer Handtasche - und einer Hand!
Und das machte mir Sorgen - würde die Kamerafahrt funktionieren? Würde die ganze Szene funktionieren? Oder würde alles künstlich und lächerlich wirken?

Dani - das OpferZwei Tage zuvor hatte ich mir nach patentiertem Rezept mit Stärke und Lebensmittelfarbe Kunstblut gemischt. Das Rot, war nicht genau die Farbe, die ich mir vorstellte, aber mit ein paar Nuancen von Blau und Grün entwickelte sich der Farbton - und als ich die ersten Spritzer am Asphalt verteilte, war ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

Gedreht wurde am Gelände der Grazer Verkehrsbetriebe, die uns rasch und unkompliziert Grünes Licht gegeben hatten. Den ganzen Tag über war es bewölkt gewesen, was mir nur recht war, aber genau, als wir die Szene gegen 17:30 Uhr eingerichtet hatten, kam plötzlich die Sonne zum Vorschein, überstrahlte alles und warf unbrauchbare Schatten. Das durfte jetzt aber nicht wahr sein!

Robert und ein defekter ScheinwerferRobert stand mir mit seinem Auto als Kamerawagen zur Verfügung und wir warteten erst einmal ab. Dani hatte es sich in der Zwischenzeit als Unfallopfer am Boden bequem gemacht. Ein paar Minuten später verdeckte glücklicherweise wieder eine Wolke die Sonne, und wir gingen davon aus, eine knappe viertel Stunde "bedecktes" Licht zu haben.

Also rein in den Wagen und Kamera ab. Gleich bei der ersten Fahrt war klar, dass die Szene funktionieren würde. Wir machten ein paar Varianten, experimentierten und waren schließlich zufrieden.

Am Weg in die Stadt muss ich dann wohl noch ein paar verwunderte Blicke geerntet habe. Waren doch Motorhaube, Scheinwerfer und Nummerntafel blutbespritzt. Und ich kein Kleingeld in der Tasche! Also auch noch eine Ehrenrunde in der Garage vom Citypark. Schnell ein paar Einkäufe erledigt, und dann wartete die Waschanlage ja gleich nebenan.

Dani hat´s glaub ich schlimmer erwischt - wie ich hörte lässt sich Lebensmittelfarbe von Haut (weit) schwerer entfernen, als von Lack. Tja...


Die Depressionskurve

Nun fehlte also nur noch die Vorsprechszene in der Oper. Es war Samstag und am kommenden Dienstag sollte es stattfinden.
Ich lag gelangweilt auf der Couch, irgend etwas belangloses lief im Fernseher. Halb sah ich hin, halb dachte ich über "Tamara" nach. Der ursprüngliche Arbeitstitel hatte "Broken Dreams" gelautet. Was mir aber irgendwie zu "billig" klang und auch einiges vorwegnahm. Nachdem ich die "Auflösungs-Szene" geschnitten hatte und merkte, wie gut sie funktionierte, war mir klar, der Titel sollte den Namen der zweiten Filmfigur tragen. Das Wort, das alles auf- und erlöst.

Weiters dachte an eine Szene, die Desire auf der Brücke zeigt. Wie sie deprimiert ins Wasser hinunter blickt. Da die Szene allerdings nichts wirklich neues erzählte und zu wenig vermittelte, war sie schon gestrichen worden.
Als begeisterter Kanufahrer hatte ich am Wochenende zuvor mit einem Kollegen Graz am Flussweg durchquert. Ich dachte wieder an die nicht zu unterschätzende Strömung, die Schwellen und teils bootshohen Wellen, die durchaus respekt einflößend wirken. Und plötzlich meldete sich mein Unterbewusstsein zu Wort - hatte ich ihm denn nicht eine Aufgabe gegeben!?


Am wilden Fluss

28.08.2006
Am FlussEs war 17:30 Uhr als ich Maria abholte und mit ihr an die Mur auf Höhe der Murinsel fuhr. Das war die Idee: nicht noch eine Szene, in der sie niedergeschlagen herumstreift, sondern sie, deprimiert auf Steinen vor dem Fluss sitzend. Groß - mit dem schäumenden Wasser im Hintergrund.
Und damit würde ihr Abstieg funktionieren: freudestrahlend am Anfang, die ersten Schwierigkeiten, Ablehnung, Wut, Niedergeschlagenheit und sinkendes Selbstvertrauen, nun die Depremiertheit mit Anzeichen erster Resignation, bis hin zur entgültigen Depression.
Das sollte funktionieren - und der Rest obliegt dem Komponisten der Filmmusik: Martin Pühringer.


Das Vorsprechen in der Oper

Nachdem wir aus terminlichen Gründen zweimal verschieben hatten müssen, wurde die ganze Sache eng. Dietmar, der den Theater-Regisseur mimt, war auf dem Sprung nach Miami (und das ganze ohne Rückflugticket).
Am 29.08. fand er noch ein wenig Zeit, und da hatten wir genau ein paar Stunden am Vormittag, um unsere Szenen abzudrehen - am Abend begann die Probenzeit nach der Sommerpause.

OperÜber eine befreundete Bühnengruppe und den Bühnenmeister hatten wir den Drehtermin unkompliziert erhalten. Nach eineinhalb Stunden sollten wir auch fertig sein. Nathalie und Petra unterstützen uns als Statisten und mimten weitere Bewerberinnen. Die Arbeit lief auch gut, als ein älterer, seriös wirkender Herr die Location betrat, und sich erkundigte, was wir hier machen - er sei der Intendant des Hauses.

Nun, unsere Anwesenheit war nicht bis in die oberste Etage angekündigt worden (wovon ich auch nicht ausgegangen war). Hatte ich schon erwähnt, dass man sich bei No-/Low-Budget-Projekten des öfteren im Bereich des "Guerilla-Filmmaking" bewegt?

Unser Gespräch war jedoch sehr freundlich, und da wir erklärten in spätestens 30 Minuten fertig zu sein, wünschte er uns noch einen angenehmen Aufenthalt in seinem Haus. Den hatten wir auf jedenfall und hoffen, dass es intern keine "Schelte" für unsere Anwesenheit gab.

Wie dem auch sei - so ziemlich die selbe Besetzung wie am ersten Tag war auch am letzten Tag dabei, und das verstanden wir als gutes Zeichen.

Desire geht von der Bühne, noch eine zur Sicherheit - und die letzte Klappe ist gefallen.


Postproduction - Die Zweite

Parallel zu den Dreharbeiten hatte Martin Pühring schon mit den ersten Kompositonen für die Filmmusik begonnen. Nachdem er den Rohschnitt des Filmes erhalten hatte, konnten die Arbeiten am Soundtrack früher als erwartet fertig gestellt werden.

Anfang September gab es erste Testscreening, die durchaus positive Resonanz brachten. Ein paar Szenen wurden nachgebessert, Kleinigkeiten verändert und justiert - am 14.09. konnte der Film schließlich als fertiggestellt betrachtet werden!

"TAMARA":
Drehzeit: 10 Drehtage
Zeitraum: 22. Juli bis 29. August 2006

Drama/Mystery, 16min
PAL, 4:3 Letterboxed, Stereo

gefilmt in Graz/Österreich